WORKSHOP "LECH2050+"

Am 5. und 6. September 2024 kamen in Höfen im Lechtal über 50 VertreterInnen aus Wissenschaft, Planung, Verwaltung und Naturschutzorganisationen zusammen, um die wichtigsten Forschungsfragen und Prioritäten für die Zukunft des Tiroler Lechs zu erarbeiten.

Der Tiroler Lech, die letzte weitgehend naturnahe Wildflusslandschaft der Nordalpen, bietet nicht nur eine atemberaubende Naturkulisse, sondern ist auch ein herausragendes Forschungsobjekt. Seine weitgehend naturnahen Strukturen und die Erfolge der Renaturierungsmaßnahmen schaffen ideale Voraussetzungen für die Erforschung von Flussdynamik, Artenvielfalt und den Folgen menschlicher Eingriffe sowie des Klimawandels. Als bedeutender Verbindungskorridor zwischen den Alpen und dem Schwäbischen Jura beherbergt der Lech eine einzigartige Artenvielfalt, die erforscht und langfristig geschützt werden muss. Gleichzeitig stellen die historischen Eingriffe und aktuellen Renaturierungen des Flusses eine geeignete Grundlage dar, um den Lech als Modell für die Erhaltung und Wiederherstellung von Wildflusslandschaften in Europa zu etablieren.


(c) Eva Hochmuth

In diesem Kontext fand der Lech2050+ Workshop statt, der von dem Verein Lechforschung2050+ organisiert wurde. Während des zweitägigen Programms, das Fachvorträge, Exkursionen und interaktive Diskussionsrunden umfasste, arbeiteten ExpertInnen aus verschiedenen Disziplinen daran, zentrale Forschungsfragen zu definieren. Diese Fragen sollen die Grundlage zukünftiger Forschungsprojekte bilden, die darauf abzielen, die Biodiversität und Flussdynamik am Tiroler Lech nachhaltig zu fördern.

Forschungsfragen zu Biodiversität und Flussdynamik am Tiroler Lech

zum aktuellen Wissensstand zum Tiroler Lech

  • Wie kann ein Langzeit-Monitoring nach den beiden LIFE-Projekten für Zielarten (Deutsche Tamariske, Zwergrohrkolben, Gefleckte Schnarrschrecke, Knorpelsalat, Flussregenpfeifer etc.), FFH-Lebensräume, “Pest Species“ und sozio-ökonomische Faktoren am Tiroler Lech sichergestellt werden?
  • Wie gut lassen sich dokumentierte signifikante Änderungen im biotischen System mit anthropogenen Eingriffen im Fluss- und Einzugsgebiet korrelieren und welche Änderungen sind bereits gut dokumentiert?
  • Lässt sich ein Modell von Hydraulik und Feststoffhaushalt des ursprünglichen Lechs aus den aktuellen Modellen der derzeit noch weitgehend unbeeinflussten Strecken und den historischen Daten aufbauen?
  • Wie kann man die Geschiebedurchgängigkeit am gesamten Lech wiederherstellen?
  • Welche Maßnahmen sind notwendig, um Biodiversitätsverluste in den frei fließenden Rest(wasser)strecken des Lechs - wie Pinswanger Aue, Füssener Lech, Litzauer Schleife und Halblechmündung -rückgängig zu machen?
  • Wie kann eine Literaturdatenbank zum gesamten Lech mit Bezug zu Flussdynamik, Biodiversität, Maßnahmen inkl. Methodik geschaffen und für Forschende zugänglich gemacht werden?

zu den Auswirkungen des Klimawandels auf den Lech

  • Führt die Klimawandel-bedingte Erwärmung in Verbindung mit Renaturierungsmaßnahmen (Aufweitung der Gerinne) am Tiroler Lech zu einer Erhöhung der Wassertemperatur oder wird dies durch den starken Grundwasser-Einfluss kompensiert?

  • Verbessern Renaturierungsmaßnahmen die Möglichkeiten zur Anpassung von Flora und Fauna, weil sie die Heterogenität des Lebensraumes verbessern und Standortgradienten schaffen?

  • Wie werden sich Klimawandel-bedingte Veränderungen im Einzugsgebiet (z.B. Veränderungen des Schutzwaldes) auf die Hydrologie des Lechs auswirken?

  • Welche Rolle werden Neophyten (z.B. Sommerflieder) und Neozoen am Tiroler Lech spielen?

  • Wie wirken sich längere Niedrigwasser- und Trockenperioden auf die Biozönosen der Kleingewässer aus (Chara-Arten, Kreuzkröte, Bileks Azurjungfer)?

  • Welche saisonalen Effekte hat der Klimawandel auf die Vegetation, insbesondere bezüglich Keimung und Etablierung auf den Kiesbänken?  

zu den Anforderungen der Praxis an die Wissenschaft

  • Was genau ist die Aufgabe und Rolle der (Angewandten) Wissenschaft bei der Umsetzung von Maßnahmen des Gewässerschutzes und Renaturierungen?
  • Wie können funktionierende, regelmäßige Austausch- und Kommunikations-Strukturen zwischen der Wissenschaft und anderen (insbesondere der Praxis) gefördert werden? 
  • Wie kann eine regelmäßige fachliche Abstimmung auch innerhalb verschiedener Wissenschaftsdisziplinen gefördert werden?
  • Wie kann die Öffentlichkeitsarbeit zu Themen des Gewässerschutzes besser gefördert werden?
  • Wie kann eine grenzüberschreitende Geschiebe-Studie umgesetzt werden?
  • Was hat man aus den großen Life-Projekten am Lech für die Praxis gelernt?
  • Was sind Maßnahmen zur wirkungsvollen Wiederherstellung fluss- und auen-dynamischer Prozesse in einem veränderten Fluss wie dem Lech?
  • Was sind die Ansprüche und Mindestflächengrößen für Zielarten, damit sie in der Planung von Renaturierungsmaßnahmen berücksichtigt werden können?
  • Wie können potenzielle Renaturierungs-Flächen gesichert werden, inklusive über den Lech hinausgehendes Flächenmanagement?
  • Welche Prognose-Systeme sind möglich, um Modelle vom ursprünglichen Zustand, sowie Daten zu dokumentierten Eingriffen inkl. deren Effekten, sowie Daten zu jüngst umgesetzten Renaturierungs-Maßnahmen inkl. Monitoring zusammenzuführen?

Der Verein Lechforschung2050+ wird die fachübergreifend erarbeiteten Forschungsfragen aktiv im Rahmen seiner Tätigkeiten weiterverfolgen. Durch die Umsetzung von Forschungsprojekten, Kooperationen und Veranstaltungen soll ein Beitrag zur Beantwortung dieser Fragen geleistet werden.

Präsentationen zum Download

Impressionen von dem Workshop-Exkursionen an den Tiroler Lech

(c) Eva Hochmuth und Lisa Reggentin

Obermarkt 8, 6600 Reutte

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